Verfasst von: Phil | 12. Dezember 2010

Länderspezial: Chile


Chile

„In Chile und Argentinien hört Süd-Amerika auf„. Das ist ein Spruch den man öfters von anderen Reisenden in Süd-Amerika hört. Gemeint ist damit eigentlich nur, dass diese beiden Länder sich schon ein bisschen von dem lateinamerikanischen Stereotyp unterscheiden. Natürlich ist es kein himmel großer Unterschied, aber man merkt die kleinen Unterschiede zu den anderen Ländern Süd Amerikas doch sehr deutlich. Chile ist mir aus den Ländern Süd-Amerikas am meisten ans Herz gewachsen. Das liegt nicht unbedingt darin, dass es mein „Lieblingsland“ ist, sondern vielmehr an der Tatsache, dass ich dort meinen längsten Aufenthalt hatte und in diesen 5 Monaten natürlich vor allem viele soziale Bindungen aufgebaut habe. Ich möchte trotzdem versuchen, in diesem Artikel so objektiv wie nur möglich über dieses Land zu berichten.

 

Meine Reise im Überblick:

ein Teil meiner Reiseroute

Von Mendoza in Argentinien trat ich den Grenzübertritt nach Santiago de Chile an. Nach der Hauptstadt Chiles ging es weiter über Valparaiso und Viña del Mar weiter südlich nach Talca, Chillán, Conception, Temuco bis nach Valdivia und Osorno. In Chillán bzw. im kleinen Andendorf Las Trancas arbeitete ich dann für 4 Monate als Skilehrer und setzte danach meine Reise fort. Ich verließ Chile zunächst um auf der argentinischen Seite weiter Richtung Süden zu reisen und kehrte dann in Puerto Natales und Punta Arenas ganz im Süden Süd-Amerikas nochmals zurück nach Chile. Keine einzige Nacht schlief ich dabei in einem Hostal.

 

Chile im Überblick:

Torres del Paine, Patagonia

Das Land Chile hat vielleicht eine der auffälligsten Konturen aller Länder im Atlas. Wie eine Nadel erstreckt sich Chile über ca. 4300 km von Norden nach Süden. Die durchschnittliche Breite beträgt dabei 180 km. Im Westen begrenzt durch das Meer und im Osten durch die Andenkette ist es geographisch ein wirklich außergewöhnliches Land. Von den mineralreichen Wüsten des Nordens erstreckt sich Chile bis zum südlichsten Punkt Süd Amerikas in die Antarktischen Gebiete. Auch ein großer Teil der Antarktis ist chilenischer Boden. Nicht zu vergessen bleibt, die hierzulande unter dem Namen „Osterinsel“ bekannte, 3526 km vom chilenischen Festland entfernte Isla de Pascua, auf dem die berühmt großen „Felsgesichter“ stehen. Die geographischen Möglichkeiten Chiles scheinen fast unbegrenzt. Kilometerlange weite, einsame Strände und einige der höchsten Berge dieses Kontinents befinden sich hier. In wenigen Stunden kann man fast überall vom Schnee an den Strand fahren.

 

Häuser bauen nach dem Erdbeben

Von den fast 17 Millionen Einwohnern lebt fast die Hälfte in der Hauptstadt Santiago de Chile. Indigene Bevölkerung findet sich jedoch darunter nur noch sehr wenig. Die größte indigene Bevölkerung bilden die Mapuche. Chile gehört schon viele Jahre zu einer der drei stärksten Wirtschaften Lateinamerikas. Dabei sind die Minen im Norden Chiles eine der wirtschaftlichen Hauptsektoren. In den 70er und 80er Jahren machte Chile politisch vor allem durch die sehr radikale Diktaturperiode Pinochets negative Schlagzeilen.

Ebenfalls Schlagzeilen machen jährlich die Erdbeben Chiles. Durch eine bestimmte geographische Konstellation vor der Küste Chiles sind kleinere Erdbeben („templores“) an der Tagesordnung. Am 27. Februar 2010 wurde Chile das letzte Mal von einem sehr starken Erdbeben (8,8) heimgesucht, dass unglaubliche Verwüstungen anrichtete.

Die touristischen Highlights liegen über das ganze Land verteilt. Im Norden kann man Tage durch die beeindruckende Wüstenlandschaften fahren und sich nicht satt sehen, an gelben, grünen und roten Bergen. Die Küste bietet Surfern endlose Strände mit Bedingungen für alle Könnerklassen. Gleiches gilt für diejenigen, die sich im Gebirge wohler fühlen. In Patagonien, ganz im Süden des Landes, trumpft Chile vor allem durch die unzähligen Nationalparks mit ihren atemberaubenden Panoramen auf.

Mein Eindruck:

Es war tatsächlich eine nicht zu unterschätzende Umstellung, als ich das erste Mal chilenischen Boden unter den Füßen hatte und ich musste nur zu oft an diesen oben genannten Spruch anderer Reisenden denken. Die Busse sind pünktlich, man feilscht nicht um jeden Preis. In Santiago de Chile fragte ich mich oft, wo denn hier Süd-Amerika geblieben ist, wie ich es kenne, so europäisch oder nord-amerikanisch kamen mir die Umstände hier vor. Chile macht auf den ersten Blick auf keine Fall den Eindruck eines Entwicklungslandes. Dazu kommt, dass die Leute auf mich einen eher konservativeren Eindruck machen. Viele öffneten sich nicht ganz so schnell mit der Wärme des lateinamerikanischen Stereotyps. Auch die Sprache war anfänglich ein echtes Hinderniss, dass mich und mein einigermaßen sicher geglaubtes Spanisch nochmal des Öfteren an den Rand der Verzweiflung brachte.

 

Cueca - der Tanz der Huasos

Nach einer anfänglichen Eingewöhnungszeit jedoch, konnte ich schnell wieder feststellen, dass ich mich immer noch auf dem selben Kontinent befand. Hat man die erste, für europäische Verhältnisse immer noch winzige Distanzen zu einem Chilenen überwunden, so bekommt man genau die Wärme und Fröhlichkeit entgegen gebracht, wie man sie auch aus anderen Ländern dieses Kontinents gewohnt ist. Mittlerweile beherrsche ich das „chilenisch“ und bin auch auf diese Erweiterung meiner Spanischkenntnisse sehr stolz.

Das man es hier nicht mit einem Entwicklungsland zu tun hat, merkt man auch recht schnell am Reisebudget. Chile ist mit Brasilien das teuerste Land Süd-Amerikas. Natürlich ist es trotzdem möglich sehr ökonomisch unterwegs zu sein.

Sicherheit:

Nie habe ich wirklich einen Gedanken daran verschwendet.

Fazit:

Chile ist ein Land mit unglaublichem Potenzial. Dies gilt für alle Bereiche dieses Landes. Die Herzlichkeit der Menschen, die mich mit offenen Armen dort empfangen haben werde ich nie vergessen und ich habe dort Freundschaften gefunden, die für mich an familiäre Verhältnisse heranreichen. Ich denke, für viele kann Chile ein guter Einstieg in den Kontinent Süd-Amerika sein, da der Sprung ins kalte Wasser nicht so radikal ist, wie vielleicht in anderen Ländern. Die Erfahrungen werden sicher nicht so extrem sein, wie in Bolivien, Brasilien oder Kolumbien. Dennoch wird man um die lateinamerikanische Art und Weise nicht herum kommen :) Für Spanischanfänger ist es vielleicht eher ungünstig, obwohl man ja auch sicherlich Deutsch in Österreich lernen kann :)

Ich persönlich verbinde mit Chile meine intensivsten Erfahrungen meiner Reise und werde so bald es geht wieder dorthin zurückkehren. Ich bin aber auch davon überzeugt, dass Chile jedem Reisenden etwas bieten kann und dass gerade skeptische Reisende hier einen super Anfang finden könnten. Worauf wartet ihr also noch :)

weiterführende Links:

Daten und Infos über Chile: http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/ChileSicherheit.html

super umfassende Wiki-Seite: http://de.wikipedia.org/wiki/Chile

 

 

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