Verfasst von: Phil | 2. Dezember 2010

Live Bericht: Handstand über Machu Pichu

Handstand über Machu Pichu

Mit dem Bus 14 Monate lang von Couch zu Couch in ganz

Südamerika. «Nichts wie hin», ist das Motto des Hofheimer Wirtschafts-Ingenieurs Philippe Westenberger. Rucksack-reisen durch die Welt sind seine Leidenschaft.

Hofheim. Das Ergebnis seiner letzten Klausur hat der damalige Student Philippe Westenberger nicht mehr abgewartet, so eilig hatte er es, sich seinen Traum, ganz Südamerika zu bereisen, zu erfüllen.

4000 Euro hatte er mit Semesterjobs und als Skilehrer zusammengekratzt und er sprach kein Wort Spanisch. Dazu hatte er sich überlegt, mit nur einem Rucksack loszuziehen. Im zwölf Kilo schweren Gepäck des 24-Jährigen war auch noch seine Kletterausrüstung. Nichts gewogen, aber umso gewichtiger: die Erfahrungen, die er bei ähnlichen Reisen in Asien gesammelt hat. Das gab ihm Sicherheit, auch wenn er fast ohne Geld loszog. Er wollte ohnehin fast ausschließlich mit dem Bus fahren und sich per «couchsurfing» seine Unterkünfte suchen. Unter couchsurfing.org bieten weltweit Menschen kostenlose Schlafgelegenheiten. Einzige Bedingung, wenn man selbst eine zu bieten hat, muss man das auch machen.

Wie überall

Der Flug von Deutschland führte nach Bogota, der angeblich so kriminellen Hauptstadt des noch kriminelleren Kolumbien. Medellin und Cali gelten als die kriminellsten Städte der Welt – neben Rio, Tijuana, Detroit, Bagdad, Frankfurt, Amsterdam . . .. «Es ist da wie überall auf der Welt», sagt Westenberger, «die Leute wollen ein Dach über dem Kopf, Essen, Trinken und einen guten Job für sich und ihre Kinder.» Er hat festgestellt, dass die meisten Menschen in Südamerika, vor allem in Kolumbien, sehr unter dem schlechten Ruf ihres Landes leiden. «Ich habe mich niemals unsicher gefühlt, im Gegenteil, ich war bei den fröhlichen, gastfreundlichen Menschen sicher und gut aufgehoben», zieht Westenberger ein Fazit seiner 14 Monate langen Reise.

Mit dem Bus

 

Es gibt kein Land, das ihm besonders gut oder weniger gut gefallen hat. Nur Chile sei ihm ans Herz gewachsen, denn da habe er sich am längsten aufgehalten, erzählt Westenberger. Im übrigen habe jedes Land seine besonderen, ganz eigenen Höhepunkte gehabt. Das waren Städte und Landschaften, vor allem aber auch immer wieder Menschen. Beispielsweise eine Familie in Rio, die außer ihm während des Karnevals noch zwei Franzosen beherbergte. «Die hatten keine Chance, in die Welt rauszukommen, da haben sie sich die Welt eben in ihr Haus geholt», beschreibt er die Motivation dieser Menschen. Fünf Tage hat er den Karneval gefeiert. Die berühmten Paraden hat er nicht gesehen. «Das war in der ganzen Stadt einfach nur laut, fröhlich, voller Musik und ganz friedlich», sagt der junge Mann, der in den fünf Tagen aber auch keinen Anreiz für einen Überfall bot. Er ist nämlich in der Badehose durch den Carneval getobt und hatte nur ein paar Dollar für Getränke dabei.

Wüsten und Vulkane

Zu den für Westenberger beeindruckendsten Landschaften gehören vor allem die Salzwüsten in Uruguay, der Moreno-Gletscher in Argentinien, die Wasserfälle auf der argentinisch-brasilianischen Grenze und Berge und Vulkane in den Anden. Die sind auch wieder eng mit Menschen verbunden, mit denen er dort klettern war. Einen sehr schweren 5000er und zwei 6000er hat er bestiegen. Einmal hat er einen Führer gemietet. «Das würde ich nie wieder machen, das war, als hätte ich mich selbst betrogen.» Da ist er lieber mit Kletterern, die er unterwegs kennengelernt hat, auf Berge in Chile und Ecuador gestiegen. In Ecuador hat er auch auf einer roten Linie Platz genommen. Das war der Äquator.

Eine Weile gearbeitet hat Philippe in Peru und Chile. In Peru als Freiwilliger nach einer Überschwemmung in einer Hilfsorganisation und einer Bank für Mikrokredite, in Chile hat er geholfen, nach einem Erdbeben einfache Häuser zu bauen. Danach hat er vier Monate lang als Skilehrer seine Arbeit und seinen Spaß gehabt. «Ich habe mich da integriert gefühlt, fast wie ein Chilene.»

«Reisen ist unglaublich positiv», ist Philippe Westenberger überzeugt. Man lerne viele Menschen kennen, von denen etliche richtige Freunde würden und der Blick auf die Welt ändere sich. Westenberger: «Man sieht nach der Rückkehr, wie gut es uns hier geht und wie vieles völlig überflüssig ist.» Und er hat festgestellt: «Man muss keine Angst haben, sich nicht vor Menschen fürchten. Wenn man was gibt, bekommt man dafür immer was wieder. » Damit meint er zum einem materielle Werte: «Ich bin mit drei T-Shirts losgefahren und habe acht wieder mitgebracht. Ich habe meine verschenkt und die anderen geschenkt bekommen.» Er meint auch Einblicke in ein fremdes Leben und viele neue Freundschaften.

Dass Reisen positiv ist, wollte er eigentlich mit einem Kumpel an Schulen vermitteln. Das Projekt, für das sie auch schon interessierte Schulen gefunden hatten, hat sich dann zerschlagen, weil der Freund in die Schweiz zog und Westenberger wieder auf Reise ging. Aber an ihren Erfahrungen kann man trotzdem teilhaben. Sie sind unter http://www.traveltricks.de veröffentlicht.

Original Artikel von Hanspeter Otto im Höchster Kreisblatt

 

Ich möchte noch anmerken, dass viele Fehler in diesem Bericht sind. Das wichtigste dabei ist mir aber, dass ich keine 4000 Euro am Anfang zur Verfügung hatte. Diese Zahl war eine Schätzung, wie viel ich insgesamt ausgegeben habe.

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