Verfasst von: Nicolas | 13. März 2010

Der Weg ist das Ziel

Will ich überhaupt ankommen?

Will ich überhaupt ankommen?

Viele Leute, denen ich erzähle wie lange ich unterwegs bin um von Punkt A zu Punkte B zu kommen, dass Sie das nicht machen würden. Entweder würden sie lieber ein wenig mehr bezahlen um schneller anzukommen, oder dann doch ganz zu Hause bleiben. Ich denke dieser Standpunkt kommt von der Ansicht „Strand = Erholung“ und „Nicht-Strand = Keine Erholung“. Meine Ansicht ist aber viel mehr, dass ich versuche die Reise als solche zu genießen, beginnend mit der ersten Idee und eventuellen Planung, über die tatsächliche Reise-Zeit, bis hin zur letzten Erinnerung die man noch an die Zeit hat.

Dieser Artikel könnten teilweise mehr pseudo-philosophisch oder esoterisch rüberkommen, allerdings will ich hier nur meine Lebenseinstellung beziehungsweise Lebensziel wieder spiegeln und in Verbindung mit dem Reisen bringen.

Problem:

Ich denke Menschen sind heutzutage generell sehr darauf ausgerichtet in die Zukunft zu sehen und uns auf etwas vorzubereiten.

Ständig können wir es gar nicht abwarten, bis es so weit ist: Der Feierabend, das Wochenende, der Urlaub, der Strand, die Rente etc. Natürlich wissen wir unsgeheim, dass es das nicht sein kann, dass wir die Augenblicke nicht genießen, obwohl es sich lohnen würde. Aber Zeit dazu finden wir ja nicht wirklich und bald kommt ja auch schon wieder die nächste Chance und dann auch danach.

Hektik in Tokyo!

Hektik in Tokyo!

Auf der anderen Seite ist Vorfreude ja bekanntlich auch Freude und deshalb ganz bestimmt nicht negativ. Es muss aber auch Momente im Leben geben, in denen man wahrnimmt, dass man im Moment ist; Dass man realisiert, dass der Augenblick auf den man sich so lange gefreut hat, da ist und man ihn genießend kann. Denn wie wir auch wissen ist er ja viel zu schnell wieder vorbei. Obwohl Leute behaupten total in der Gegenwart zu leben zu können (betrachte in diesem Zusammenhang den Begriff „Achtsamkeit“ aus dem Buddhismus), denke ich doch dass Gedanken und Taten in der Praxis eine ständige Abwechslung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bieten. Kunst hierbei ist es ein gesundendes Gleichgewicht zu finden und vor allem der Gegenwart genügen Aufmerksamkeit zu bieten.

Reisen:

„Der Begriff Reise bedeutet […] die Fortbewegung einer oder mehrerer Personen über eine längere Zeit zu Fuß oder mit öffentlichen bzw. nicht öffentlichen Verkehrsmitteln.“ (Quelle: Wikipedia) Reisen ist die Bewegung, nicht etwa das Ankommen. Wie bereits erwähnt beginnt für mich die Reise und der damit verbundene Spass bereits mit dem ersten Gedanken an das Abenteuer. Auch während ich unterwegs bin versuch ich Augenblicke zu genießend und selbst negative Erlebnisse als Erfahrungen und Abenteuer freudig aufzunehmen.

Kaputter Bus = weniger Zeit?

Bei meinem Hinflug nach Rio de Janeiro diesen Monat habe ich einen Anschlussflug verpasst und auf Grund der Ausnahme-Situation rund um Carnaval, waren alle weiteren Flüge schon restlos ausgebucht. Meine erste Reaktion war Zorn und Frust. Ich wurde in Rio erwartet, ich hatte eh nur zwei Wochen Urlaub, ich will meine Freunde wieder sehen, warum geht diese langsame Schlange nicht weiter etc. Auf einmal hatte ich ein Aha-Erlebnis und ich realisierte, dass ich genau da bin wo ich sein wollte: Im Sommer, in Brasilien, auf der Reise und ich begann das ganze nicht so verbissen zu sehen: Ich hab mein Portugiesisch aufgebügelt, mein Buch fertig gelesen und Freunde gewonnen. Drei Mal bin ich vergeblich als Stand-By-Passagier an Gate gewesen und in Gedanken hab ich mich gefragt wo ich wohl heute übernachten werde und dass positive Kribbeln im Bauch gespürt: Ich war im Abenteuer und dabei es zu genießen. Auch meine 42 Stunden Rückreisen von Pantano do Sul, Ilha Santa Catarina (siehe Länder-Spezial: Brasilien) bis Dublin konnte ich lesen, essen, schlafen, Musik hören, zum Flieger rennen, in der Sonne braten, in der Kälte frieren und alles genießen. Auch jetzt in diesem Augenblick genieße ich die Reise, indem ich meine Erfahrung aufschriebe und in meinen Gedanken erneut durchlebe.

Anmerkung: Wie ich schon erwähnt habe handelt es sich hierbei eher um mein Lebensziel als bereits gegenwärtige Einstellung. Es gibt immer noch (viel zu) viele Momente in denen ich mich erwische davon abzuweichen und mich zu ärgern, langweilen oder beeile. Aber ich bin auf dem Weg zu dem Ziel und dass ist ja nicht so schlecht, denn der Weg ist ja das Ziel.

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Responses

  1. dem kann ich nur beipflichten. z.b. die letzte afrikareise. 1. woche mit programm, gruppenreise mit ärzten, jeden tag programm…
    die rückreise – 4 wochen überland – per anhalter oder mit dem buschtaxi. 5.000 km. ich kam zuhause an, müde zwar, aber herrlich erholt und entspannt. das war urlaub vom feinsten und kam meiner abenteuerlust entgegen.
    die meisten leute verstehen unter reisen nur den flug von a nach b, zwei wochen im hotel und am strand und wieder ab nach hause. solche „reisen“ bleiben nicht lange haften, von anderen zehrt man noch nach jahrzehnten.

  2. Stimme dir und Jutta voll zu!
    Vor allem, dass man in der Gegenwart leben soll und den Augenblick genießen soll. Wie wahr!

    Und hoffentlich komme ich mit den Kinder auch mal in den Genuss einer solchen Reise wie ihr sie immer macht, auch wenn es nur eine kleine wäre. wäre schon toll.

    Viele Grüße

    Elke


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