Verfasst von: Nicolas | 5. März 2010

Länderspezial: Brasilien

Gott ist Brasilianer. So heißt nicht nur der Titel eines brasilianischen Filmes, sondern auch die Meinung von vielen Menschen die Brasilien erlebt haben. Gott wollte wohl, wie er Brasilien erschaffen hat, nochmal so richtig aufden Putz hauen: Einzigartige Tiere, größter Regenwald der Welt, wunderschöne Inseln und Strände, warmes Klima, melodische Sprache, schöne Musik, und nicht zu vergessen, emotionale und meistens glückliche Menschen. Brasilien ist das 5. größte Lande der Erde und mit seinen 191,5 Millionen Einwohnern auch genauso facettenreich. Als eines der BRIC Staaten steht es im wirtschaftlichen Mittelpunkt obwohl es zu Teilen noch an ein Entwicklungsland erinnert und mit einer Armutsrate 22% auch weit von Europa entfernt ist.

Meine Reise im Überblick:

Tja Reise ist hier nicht der Richtige Ausdruck. Januar 2008 bin ich nach Rio de Janeiro (die wunderbare Stadt) gekommen um hier ein Auslandssemester zu verbringen. Und so viel schon mal vorweg: Zum Studieren bin ich nicht viel gekommen. Ich kann mich noch ziemlich gut an die Gänsehaut erinnern die ich hatte als ich um Mitternacht zu meinem Hostel gefahren bin und auf dem Corcovado die eingeleuchtete Jesus Statue gesehen habe, die scheinbar über der Stadt zu schweben schien. Während meiner 4 Monate in Rio, einen anschließenden Monat reisen, so wie erneute 2 Woche letzten Monat habe ich mittlerweile doch ziemlich viele Ecken des riesigen Landes gesehen und mit verschiedensten brasilianischen Einwohnern zu tun gehabt. Ich war in der mittelalterischen Goldgräber-Region Minas Gerais, im Regenwald um Manaus, im eher afrikanischen Bundesstadt von Bahia, der Hauptstadt Brasília, dem eher europäischen angehauchten Süden und weitere nordöstliche Städte wie Olinda.

Mein Eindruck:

Wie bereits erwähnt, ist das kulturelle Leben in Brasilien sehr unterschiedlich zu den nördlichen Ländern, vor allem in Europa. Unterschiedliche Wahrnehmung von Zeit, Ehrlichkeit, Geld und Leben generell führen zu (nicht immer positiven) Kulturschocks. Auch im akademischen Leben handeln Brasilianer für uns eher fremd mit Dead-Lines für Aufsätze, Abschreiben, und der Entscheidung zwischen einem Strandbesuch und den Hausaufgaben.

Für uns in Deutschland ist Zeit gleich Geld. Eine Verspätung zu einem Treffen ist unhöflich und eine tatsächliche Geldverschwendung der Wartenden. In Brasilien auf der anderen Seite ist eine Verspätung akzeptiert und sogar erwartet. Also macht nie den Fehler um 21 Uhr  da zu sein, wenn die Party dann beginnen sollte; Man könnte den Gastgeber in der Dusche erwischen. Auch ein Nicht-Erscheinen wird einfach als längere Verspätung angesehen. Dies zeigt sich auch im täglichen Leben, wie zum Beispiel im Supermarkt. In Deutschland ist Schlange-Stehen eine Zeitverschwendung und dementsprechend nervend. Brasilianer akzeptieren das Anstehen und meistens hat man eh keine Wahl. Sie beginnen das beste daraus zu machen und mit anderen Anstehenden Fremden ein Gespräch zu beginnen. Ein brasilianischer Freund fragte mich mal: „Wie macht man in Deutschland neue Freunde wenn man nie zu Fremden reden kann?“ – Ich konnte ihm keine gute Antwort darauf geben.

Der so genannte Jeitinho, welches als ‚kleiner Umweg‘ übersetzt werden kann, gehört zum täglichen Leben dazu, wie der Samba. Es beginnt mit einem kleinen Trinkgeld an den Polizisten um den Strafzettel zu vergessen und endet in Zahlungen von Millionen von Reals an brasilianischen Präsidenten. Korruption ist ein großes Problem der brasilianischen Politik. Seit der Eroberung im 15ten Jahrhundert waren Brasilianer mit Regulierungen und Gesetzen konfrontiert, welches mehr ihren Eroberern geholfen hat, als der Bevölkerung. Die Mehrheit der Brasilianer bevorzugt Win-Win Situationen und einen kleinen Gefallen an einen Freund oder ein Familienmitglied anstelle einer rechtlichen Stabilität.

Als Deutscher bin ich in einer korrekten und exakten Welt groß geworden. Mein erstes Mal in einem brasilianischen Supermarkt war ein Schock: Ich bekam meine 15 Cents Wechselgeld nicht. Nach ein paar Sekunden der reinen Verwunderung begriff ich dass es anderen Kunden auch so ging, bzw. die Rechnung teilweise sogar abgerundet wurde und Kunden daher teilweise sogar weniger bezahlt haben. Natürlich macht dies das Einkaufen schneller und einfach, aber für mich als Deutscher war es doch zu erst schwer nachvollziehbar und ich, als damaliger Wirtschaftsstudent, dachte natürlich gleich über die wirtschaftlichen Konsequenzen nach. Eine ähnliche Erfahrung hatte ich als ich mit Freunden einige Bier hatte und wir die Rechnung nicht nach der genauen Anzahl der jeweils konsumierten Biere geteilt haben, sondern einfach durch die Anzahl der Leute am Tisch. Auch hier: Schneller und bequemer.

Brasilianer haben scheinbar endlos viele kleine Tricks die das Leben spaßiger und fröhlicher gestalten, was ich als erfrischend und sehr interessant wahrgenommen habe. Diese Lebensweise hat meine eigene stark beeinflusst, worüber ich sehr froh bin!

Fazit:

Viele werden in Zusammenhang mit Brasilien wahrscheinlich als erstes die Gewalt und als zweites die schönen Frauen im Kopf haben. Aber Brasilien ist weit mehr als das. Es ist das volle Leben. Höhen und Tiefen liegen so nahe aneinander wie Favelas und Luxus-Wohnhäuser, Carnaval und Drogenkriege, Emotionale Höhen- und Tiefen, schweißtreibender Samba und ruhiger Bossa Nova,  Weisse und Schwarze, Entwicklungsland und Wirtschaftswunder, vor Leben sprühende Regenwälder und tote Steppen. Ein Land was aus Extremen besteht und daher ein MUSS Land ist, nicht nur auf jeder Süd-Amerika Tour.

Weiterführende Links:

Daten und Infos über Brasilien: http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/01-Laender/Brasilien.html

Allgemeine Infos: http://de.wikipedia.org/wiki/Brasilien

Geschichte Brasiliens: http://www.brasilgate.com/main/geschichte.php

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Responses

  1. […] es zu genießen. Auch meine 42 Stunden Rückreisen von Pantano do Sul, Ilha Santa Catarina (siehe Länder-Spezial: Brasilien) bis Dublin konnte ich lesen, essen, schlafen, Musik hören, zum Flieger rennen, in der Sonne […]

  2. […] in anderen Ländern. Die Erfahrungen werden sicher nicht so extrem sein, wie in Bolivien, Brasilien oder Kolumbien. Dennoch wird man um die lateinamerikanische Art und Weise nicht herum kommen :) Für […]


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